Stopp! Wie du gesunde Grenzen setzt

 Manche Menschen haben so viel Empathie wie ein Gefrierschrank. Als Herzmensch nimmst du meist ziemlich genau wahr, wie sich dein Gegenüber fühlt und welche Reaktion in welcher Situation wahrscheinlich angemessen ist, aber bestimmt hast du auch schonmal erlebt, dass sich so manch andere Zeitgenossen in emotionaler Hinsicht benehmen wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen - warum auch immer.

In diesem Artikel habe ich fünf Tipps für gesunde Grenzen zusammengefasst, damit du dich einfach und wirksam schützen kannst und dadurch deine Energie für dich behältst.

 

 

Grenzen sind ein Grundbedürfnis

 

Grenzen sind wichtig, denn sie schaffen Sicherheit. Bei Kriegen geht es oft um Grenzkonflikte und die Behauptung des eigenen Raums. Das ist in manchen Situationen natürlich einfacher als in anderen. Wenn in der Straßenbahn jemand zu dicht an dich heranrückt, kannst du aufstehen und gehen. Wenn du dir aber ein Büro teilen musst mit einem Kollegen, der deine Grenzen überschreitet, ist die Situation schon deutlich schwieriger.

Für dein Wohlbefinden ist es wesentlich, dein Bedürfnis nach Raum und Grenzen wahrzunehmen, klar zu äußern und im Zweifel zu behaupten.

Klingt vielleicht ungewohnt, aber hierbei spielen unsere Biologie und unsere Instinkte eine Rolle: Stell dir zwei Hunde vor, die sich begegnen, beschnuppern, vielleicht kurz kämpfen und dann ist die Situation auch schon geklärt. Wir Menschen machen es oft viel komplizierter, dabei laufen in uns ganz ähnliche Prozesse ab! Keine Sorge, ich schlage jetzt nicht vor, dass du deinen Chef anbellen sollst - aber ich möchte dich durchaus ermuntern, dein Revier zu verteidigen ;-)

 

Hier sind meine erprobten Tipps für gesunde Grenzen:

 

 

1) Körpersprache

 

Wir verschränken oft automatisch die Hände vor der Brust, um uns abzugrenzen. Das ist völlig in Ordnung, denn wir schützen dadurch unsere Solarplexus-Region, eine Stelle, wo wir nicht nur physisch verwundbar sind. Achte in „grenzwertigen“ Situationen darauf, dass du dich körperlich abwendest, zurückziehst (indem du zum Beispiel einfach einen Schritt zurückgehst), durch deine Haltung schützt und - denken wir wieder an die biologische Komponente - wenn nötig außer Gefahr bringst. Spüre, wie dein Körper in solchen Situationen reagiert, und folge seinen Impulsen so gut wie möglich. Traue deinem Kampf- oder Fluchtinstinkt, ohne diesen mit dem Verstand überspielen zu wollen. Du darfst auch ruhig Wut spüren und adäquat zum Ausdruck bringen!  Dein Körper signalisiert dir, was du brauchst, um dein persönliches Gleichgewicht wieder herzustellen. Lerne, ihm zu folgen, anstatt „ins offene Messer“ zu laufen, wenn jemand deine Grenzen überschreitet. 

 

2) Theater

 

Natürlich kannst du im Büro nicht mit Schwert und Schild kämpfen und lautstark deine Grenzen verteidigen. Aber gerade unter dieser professionellen Maske, die in vielen Jobs erwartet wird, brodelt oft ein Feuer. Was passiert, wenn ein Feuer nicht offen brennen darf? Richtig, es wird zum Schwelbrand und richtet heimlich Schaden an - in dir! Damit das nicht passiert, solltest du außerhalb besagter Situationen ein Ventil finden, wenn dich etwas wütend macht. Spiele Theater! Stell dir vor, die besagte Person xy säße dir in deinem Wohnzimmer gegenüber und du könntest ihr nach Herzenslust die Meinung sagen. Es geht darum, dass du deine Wut über die Grenzüberschreitung - die durchaus gesund ist - richtig fühlst und zum Ausdruck bringst. Denn wenn du im Kontakt mit deiner Wut bist (anstatt sie zu deckeln), verleiht diese dir Kraft und du wirst du im Gespräch klar und authentisch wahrgenommen. Spielst du sie dagegen auch vor dir selbst herunter, musst du dich nicht wundern, wenn deine Grenzen auch von anderen überschritten werden.

 

3) Grenzen visualisieren

 

Welche Grenze hättest du gerne zwischen dir und besagter Person? Eine Mauer, eine Panzerglasscheibe? Vielleicht auch eine Schiebetür oder einen Stacheldrahtzaun? Vertraue deiner Intuition, sie weiß genau, was du brauchst. Visualisiere deine Wunschgrenze im Kontakt mit dem betreffenden Menschen. Die Vorstellung kann bewirken, dass du dich tatsächlich geschützer fühlst! Probiere es aus - es wirkt.

 

4) Klartext

 

Natürlich ist es wichtig, dass du dort, wo es brennt, verbal deine Grenzen setzt. Dafür ist es wichtig, dass du dich gut mit dir selbst verbunden fühlst. Wenn es eine schwierige Situation im Beruf ist, über vorher zu Hause. Du musst spürbar sein, denn nur wenn du selbst klar bist, wirst du auch so wahrgenommen. Vermeide Vorwürfe und äußere klar in deinen Worten deine Grenze. Dann wird der andere es respektieren. Wenn nicht, sieh es positiv: die andere Person mag vielleicht sehr nervig sein, aber sie ist ein wunderbarer Lehrer, der dir dabei hilft, in deine Kraft zu kommen und für dich einzustehen.

 

5) „Hier rein, da raus“ 

 

Das hat meine Oma immer gesagt und dabei herzlich gelacht. Recht hatte sie! Frag dich: Ist es das wirklich wert, dass dich die Angelegenheit/Person xy den ganzen Tag beschäftigt? Könntest du in der Zeit nicht was Schöneres machen, als dich über jemanden zu ärgern, der deine Aufmerksamkeit gar nicht verdient hat? Wahrscheinlich schon!  In manchen Fällen ist es besser, gar nicht erst in Resonanz zu gehen. Als hättest du einen Zaubermantel an mit einer emotionale Goretex-Schutzschicht, an der ungesunde Energie einfach abperlt! Das klappt erstaunlich gut!

 

Was meinst du dazu? Schreib mir gern einen Kommentar :-) Gern kannst du den Artikel auch teilen oder meinen Blog abonnieren.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    Judith (Freitag, 20 Mai 2016 13:00)

    Wie passend, gerade dieser Eintrag. Bei mir geht es gar nicht um meinen Beruf, sondern ich fühle mich allgemein so empfindlich. Im Supermarkt eben wurde ein Mann hinausgebeten, weil er so furchtbar stank. Tatsächlich stank er, aber gleichzeitig tat er mit so leid. Ein Mann, der es nicht mehr organisiert bekommt, sich regelmäßig zu waschen. Draußen sah ich ihn dann wieder... dazu noch einen jungen Mann im Rollstuhl und eine ältere Frau, bei der die Haarfarbe völlig herausgewachsen war und die auch völlig verwahrlost aussah. Ach, was gehen mich diese Menschen an, wahrscheinlich hätte ich sie schon vergessen, aber wo ich deinen Text lese, musste ich wieder an sie denken. Ein bisschen Empathie ist gut, aber zu viel auch wieder nicht?

  • #2

    Carla (Freitag, 20 Mai 2016 14:08)

    Hallo Judith, danke für deinen Kommentar! Klar, wenn wir arme Menschen sehen, haben wir Mitgefühl, das ist gesund und richtig. Der Artikel zielt eher darauf, wie wir damit umgehen, wenn jemand immer wieder zwischenmenschlich/verbal/energetisch unsere Grenzen überschreitet. Wenn jemand unangenehm riecht, kann man ihn ja einfach freundlich darauf hinweisen :-)

  • #3

    Christiane (Dienstag, 24 Mai 2016 21:11)

    Hi Steffi Carla, vielen Dank für Deine erprobten Tricks :-) Für mich sind diese Tricks so wertvoll, da ich immer an mir zweifel, ob ich dieses oder jenes tun darf. Und Du ermunterst dazu ! Ich werde sie üben, und bin mir im Vorfeld schon sicher, dass sie mir gut tun werden... so wie Du mir gut tust :-) Vielen Dank und ich freue mich über jede Anregung von Dir zum glücklicheren Leben :-)

  • #4

    Nana Drave (Dienstag, 24 Mai 2016 23:23)

    Hallo liebe Carla,
    danke für deine klaren Tipps! Ich mag deine Klarheit im Innen .. in den konkreten und wertvollen Tipps und auch in der Klaren Aufmachung & Schrift.

    Ohne Grenzen funktioniert nichts .. dann ist ein Mensch kaum spürbar. In dem Moment, wo ich für mich einstehe und dies über Grenzen zeige werde ich fühlbar und erfassbar - und Menschen können sich auf mich verlassen!

    Danke für diesen Artikel! - was war dein persönliches Erlebnis, das dich dahin gebracht hat klarere Grenzen zu setzen?

  • #5

    Carla (Mittwoch, 25 Mai 2016 09:18)

    Liebe Christiane, liebe Nana, danke für eure Kommentare! Ich freue mich, dass euch meine Tipps weiterhelfen, denn das ist mein Wunsch dabei. Nana, du ahnst richtig, dass auch persönliche Erlebnisse von mir dazu geführt haben, mich näher mit dem Thema Grenzen auseinanderzusetzen und diesen Artikel zu schreiben. Ich habe lange in einem klinischen Setting gearbeitet, wo ich den ganzen Tag unter Menschen und in Kontakt mit Patienten war. Das war einerseits sehr schön, andererseits manchmal aber auch anstrengend, und ich hab die verschiedensten Menschentypen kennenlernen dürfen. Ich erinnere mich an einen Fall, der mich zum Thema Grenzen wirklich herausgefordert hat, durch den ich aber viel gelernt hab... in dem Fall hat mir der Punkt "Theater spielen" sehr geholfen :-)